Das Bild zeigt eine Ärztin am Schreibtisch, die einem Patienten ein Röntgenbild erklärt.

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Sense and Use of Time

Nutzung und Wahrnehmung von begrenzter Zeit und veränderte Lebensziele nach Diagnose einer Krebserkrankung.  

Die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung an Krebs führt unausweichlich zu einer intensiven  Beschäftigung mit dem nahenden Tod und der verbleibenden Lebenszeit. Lebenszeit, die zur Frist wird und deren Ende in der Regel als vorzeitig empfunden wird. Ob diese Beschäftigung mit dem eigenen Tod als Möglichkeit des aktiven Gestaltens von Lebensinhalten begriffen, oder aber als passives Erwarten empfunden wird, ändert zunächst nichts daran, dass sich die Ziele und Pläne aufgrund der beschriebenen Wahrnehmung von Zeit verschieben.

Die Erforschung der Dynamiken dieser Entscheidungsprozesse, als auch die tatsächliche Nutzung der Zeit die bleibt, sind das Anliegen des interdisziplinären Forschungsvorhabens, dass von Prof. Dr. Antonio Pezzutto und Prof. Stefan Gosepath ins Leben gerufenen wurde. Endliches Ziel der Gruppe ist es, auf die Wünsche und Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen besser eingehen zu können und allen Beteiligten zu ermöglichen, den individuell besten Umgang mit der Erkrankung und der Lebenszeit zu finden, indem individuelle Interventionen ermöglicht werden.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, braucht es eine breit aufgestellte Forschung, die Wissenschaftlerinnen aus allen für das Leben relevanten Forschungsbereichen zusammenführen.        

Teilnehmer

Prof. Dr. med. Antonio Pezzutto Medical Clinic of Hematology, Oncology and Tumorimmunology

Campus Benjamin Franklin, Charité

Prof. Dr. Stefan Gosepath. Institute of Philosophy, Department of Practical Philosophy

Free University of Berlin

Prof. Matthias Reményi, Department of History and Cultural Studies, Seminar for Catholic Theology, Free University of Berlin

http://medpsych.charite.de/institut/akademische_mitarbeiter/dr_phil_silke_burkert/

Dr. med. Silke Burkert, Institute for Clinical Psychology, Charité, University Medicine Berlin

http://haema-cbf.charite.de/klinik/mitarbeiter/fachaerzte_assistenzaerzte_und_wiss_mitarbeiter/

Dr. med. Corinna Leng, Medical Clinic for Hematology, Oncology and Tumorimmunology, Charité

http://geriatrie.charite.de/institut/team/e_steinhagen_thiessen/

Prof. Dr. med. Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Director of the Protestant Geriatric Centre of Berlin

http://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/ppg/mitarbeiter/klohmann/index.html

Dr. Katrin Lohmann, Public Health: Prevention and Psychosocial Health Research, Free University of Berlin

http://medpsych.charite.de/institut/akademische_mitarbeiter/pd_dr_rer_medic_friederike_kendel/

PD Dr. rer. med. Friederike Kendel, Institute of Medical Psychology, Charité,

http://www.wiwiss.fu-berlin.de/en/fachbereich/bwl/angeschlossene-institute/gersch/archiv/mitarbeiterarchiv/reuter.html

Dr. Annette Reuter, School of Business and Economics, Department of Information Systems, Free University of Berlin

http://www.wiwiss.fu-berlin.de/fachbereich/bwl/angeschlossene-institute/gersch/mitarbeiter/wessel.html

Lauri Wessel, School of Business and Economics, Department of Information Systems, Free University of Berlin

Recent Projects

Offener Hörsaal der Freien Universität Berlin 2014

"... dass es ein Ende mit mir haben muss...

Vom guten Leben angesichts des Todes"

Dass der Tod uns nichts angeht, weil er uns Lebende gar nicht betrifft: die abendländische Geistesgeschichte straft dieses Bonmot Epikurs augenscheinlich Lügen. Von Anfang an gehört das Bedenken der eigenen Endlichkeit zu den Grundthemen der Philosophie und der Theologie, aber auch der anderen Geschichts- und Kulturwissenschaften. Denn das Wissen um die irreversible und universale Faktizität des Sterbenmüssens zwingt nicht nur zum Nachdenken darüber, was denn der Tod überhaupt ist, sondern auch darüber, wie er angemessen zum Gegenstand der Kommunikation gemacht werden kann. Vor allem aber rücken die lebensweltlichen und rationalen Einstellungen zum Tod in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Mit welchen Sinnkonzepten haben die Menschen in der Vergangenheit auf die Unausweichlichkeit des Todes reagiert, und welche Denkformen und Handlungs-möglichkeiten stehen uns Heutigen zur Verfügung? Wie also kann ein gutes Leben angesichts des Todes gelingen, und welche Hoffnung lässt sich vernünftig vertreten?

Die von Prof. Stefan Gosepath und Prof. Matthias Reményi Vortragsreihe wird unter Beteiligung einer Mehrzahl der eingeladenen Wissenschaftler als Sammelband im Mentis- Verlag erscheinen.

Programm

15. April 2014 Prof. Dr. Holm Tetens, Philosophie, Freie Universität Berlin:
Der Tod – ein hoffnungsloser Fall? Eine kleine Erkenntnistheorie des Todes

22. April 2014 Prof. Dr. Matthias Reményi, Katholische Theologie, Freie Universität Berlin:
Sterben Christen leichter? Transmortale Sinnkonzepte und die Angst vor dem Sterbenmüssen

29. April 2014 Prof. Dr. med. Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Charité Universitätsmedizin Berlin:
Die Medizin im letzten Lebensabschnitt – Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven

6. Mai 2014 Prof. Dr. Stefan Gosepath, Philosophie, Freie Universität Berlin:
Vom guten Leben angesichts des Todes

13. Mai 2014 Prof. Dr. Armin Nassehi, Soziologie, Ludwig-Maximilians-Universität München:
Paradoxien der Todeskommunikation

20. Mai 2014 Prof. Dr. Karin Gludovatz, Kunstgeschichte, Freie Universität Berlin:
Die Überwindung der Vergänglichkeit in der Porträtmalerei seit dem 15. Jahrhundert

27. Mai 2014 Prof. Dr. Jean-Pierre Wils, Philosophie, Radboud Universität Nijmegen:
Ars moriendi – die Kunst des Sterbens

3. Juni 2014 Prof. Dr. Andrea Esser, Philosophie, Philipps-Universität Marburg:
Der Tod geht uns nichts an? Über die Täuschung des Epikur und die Verführung des abstrakten Denkens

10. Juni 2014 Prof. Dr. Petra Gehring, Soziologie, Technische Universität Darmstadt:
Vom Tod zum Lebensende: Biomedizin und Sterbepolitik

17. Juni 2014 Prof. Dr. Karlheinz Ruhstorfer, Katholische Theologie, Technische Universität Dresden:
"Lang ist die Zeit, es ereignet sich aber das Wahre". Überlegungen zu einer präsentischen Eschatologie

24. Juni 2014 PD Dr. Héctor Wittwer, Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin:
Von der Langeweile der Unsterblichkeit oder von der Frage, ob der Tod ein Gutes ist

1. Juli 2014 Prof. Dr. Michael Bongardt, Vergleichende Ethik, Freie Universität Berlin:
Ethik angesichts des Todes. Heißt sterben lernen das Leben lernen?

8. Juli 2014 Prof. Dr. Lukas Mühlethaler, Judaistik, Freie Universität Berlin:
Tod und Todesüberwindung im Judentum

15. Juli 2014 Prof. Dr. Rainer Kampling, Katholische Theologie, Freie Universität Berlin:
Die Nichtendlichkeit als Taufgewinn? Tod und Todesüberwindung im Neuen Testament

Studie: Zeitwahrnehmung und Zeitnutzung

Im Rahmen der Vorbereitung einer Pilotstudie zur Zeitwahrnehmung und Zeitnutzung wurden am Campus Benjamin Franklin bereits eine Fokusgruppe und eine Fragebogen-Querschnittserhebung durchgeführt.

In der quantitativen Fragebogen-Querschnittserhebung an 230 Tumorpatienten wurde erfasst, inwieweit die Zeitwahrnehmung und -nutzung durch Alter und Bewältigungsprozesse, kontrolliert für Geschlecht, Art der Krebserkrankung und Schwere der Symptome, beeinflusst werden und das Wohlbefinden der Patienten in der terminalen Phase beeinflussen. Können Faktoren identifiziert werden, die positiv mit einer besseren Bewältigung i.S. einer Entwicklung einer positiven Haltung und Nutzung der verbleibenden Zeit assoziiert sind? Ein Verständnis der Faktoren, die die Reaktion des Patienten auf eine infauste Diagnose beeinflussen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung maßgeschneiderter, individualisierter Interventionen.

Folgende Fragestellungen stehen im Mittelpunkt der Befragung:

1) Verändert sich die Zeitwahrnehmung durch eine Krebsdiagnose?

2) Verändert sich die Zeitnutzung durch eine Krebsdiagnose?

3) Unterscheiden sich Zeitwahrnehmung und -nut-zung von Krebspatienten unterschiedlichen Alters?

4) Hängen Zeitwahrnehmung und -nutzung mit Bewältigungsstilen (Assimilation/Akkomodation) der Patienten zusammen?

5) Hängen Zeitwahrnehmung und -nutzung mit dem Wohlbefinden der Patienten zusammen?

Kontakt:

Christian Arlt

dynagetime@zedat.fu-berlin.de

Freie Universität Berlin

Fabeckstr. 23-25

Raum 0.2010

14195 Berlin