Grußworte

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Grußworte Prof. Dr. med. Antonio Pezzutto

Eine Krebsdiagnose stellt fast immer ein einschneidendes Ereignis im Leben eines Menschen dar, welches mit unterschiedlich ausgeprägten Belastungen einhergeht.Palliative Care als ganzheitliches Behandlungskonzept, welches neben der Kontrolle bzw. Linderung von physischen Symptomen auch soziale, psychische und spirituelle Probleme adressiert, sollte daher einen integralen Bestandteil einer modernen Krebsmedizin darstellen und fest in die hämatologische und onkologische Behandlung integriert werden.

Eine frühe Integration von Palliative Cancer Care kann helfen, das Verständnis für Therapieoptionen und Therapieziele zu fördern und die Auseinandersetzung mit der Begrenztheit des eigenen Lebens begleiten.

Wenn bei der Diskussion der Therapieoptionen mögliche Krankheitsverläufe und Auswirkungen auf das Leben der Patienten als auch deren Wünsche und Bedürfnisse nicht ausführlich besprochen bzw. berücksichtigt wurden, neigen Ärzte oft dazu, Therapien zu empfehlen bzw. durchzuführen, die dem Patienten wenig nutzen. Statistiken belegen, dass ein erheblicher Teil der ökonomischen Ressourcen für Krebspatienten in den letzten drei Monaten des Lebens eingesetzt werden, oft mit sehr fraglichem Nutzen für den Einzelnen. 

Wir müssen gemeinsam erreichen, dass systembedingte und persönliche Barrieren, die verhindern, dass wir als Ärzte Palliative Care frühzeitig miteinbinden, abgebaut werden. Damit einer personalisierten Medizin eine individualisierte, in der das individuelle Patientenwohl und die Zuwendung zum Patienten an oberster Stelle steht, zur Seite gestellt wird.

Um dies gemeinsam anzugehen freue ich mich auf rege Beteiligung und Diskussion.

Prof. Dr. Antonio Pezzutto

Ärztlicher Leiter Medizinsche Klinik
mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin

Prof. Dr. med. Ulrich Keilholz, Charité Comprehensive Cancer Center

Was ist eigentlich "Integrated Palliative Cancer Care"?

Schon die Übersetzung ins Deutsche bereitet Schwierigkeiten, weil der Begriff "Care" sehr allgemein ist und im Grunde sowohl die umfassende Versorgung, die persönliche Betreuung als auch die menschliche Zuwendung zum Patienten beinhaltet. Insofern übersetzt man treffend "Cancer Care" als Versorgung von und persönliche Zuwendung zu einem Krebspatienten.

Der Begriff "palliativ" wird vielseitig benutzt und zielte ursprünglich auf eine Verbesserung der Symptomatik einer Erkrankung. Häufig wird er auf den ersten Blick fälschlich im Kontext einer nicht-kurativ intendierten Behandlung (v.a. als palliative Chemotherapie, aber auch als palliative Strahlentherapie oder Operation). Es ist aber wichtig, diese Behandlungen von der Kuration abzugrenzen, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, möglichst lange Überlebenszeiten bei guter Lebensqualität zu erhalten. Dennoch führt der Begriff palliative Chemotherapie in die Irre, da eine Chemotherapie, wenn sie durchgeführt wird, immer nur ein Teil eines onkologischen Gesamtkonzeptes ist. Andererseits wird der Begriff Palliativbetreuung (auch von den Kostenträgern) als gleichbedeutend mit einer Situation genutzt, in der eine spezifische Krebstherapie nicht mehr sinnvoll ist, sondern nur noch symptomatische Maßnahmen vorgesehen sind. Doch ist auch diese Definition unpassend, weil sie einer frühzeitigen Integration der Palliativmedizin im onkologischen Gesamtkonzept zuwiderläuft.

Insofern ist der Begriff "Integrated Palliative Cancer Care" genau das, was wir brauchen. Nämlich die Integration aller zur Verfügung stehender Möglichkeiten der Betreuung von und Hinwendung zum Krebspatienten, wo immer dies in der gesamten Erkrankungsphase hilfreich ist. Über dieses Spannungsfeld wollen wir bei dem Symposium intensiv diskutieren und nachdenken. Ich freue mich auf eine spannende Diskussion.

Prof. Dr. med. Ulrich Keilholz

Komm. Direktor, Charité Comprehensive Cancer Center

Prof. Dr. med. Lukas Radbruch, Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin

Im Moment der Diagnose einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung beginnt ein neuer Abschnitt im Leben eines Menschen, zu dessen Auftakt der Bedarf an Symptomlinderung, psychosozialer Unterstützung und Begleitung bei Therapieentscheidungen bereits mit bedacht, erhoben und im weiteren Verlauf der Erkrankung überprüft werden sollte. Nur so lässt sich feststellen, was Lebensqualität für den Einzelnen grundsätzlich bedeutet und wie man ihn bei deren Erhalt und Verbesserung unterstützen kann.

Deshalb freuen wir uns besonders, für das Berliner Symposium "Integrated Palliative Cancer Care" gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie die Schirmherrschaft übernehmen zu dürfen. Wir halten es für eine außerordentlich wichtige Aufgabe, zusammen mit den Mitgliedern unserer multiprofessionellen Fachgesellschaft an vielen Stellen dafür Sorge zu tragen, dass palliative Behandlungs- und Versorgungskonzepte frühestmöglich in die onkologische und hämatologische Diagnostik und Therapie integriert werden.

"Get integrated" - leichter gesagt als getan: Diese Aufgabe erfordert den kontinuierlichen wissenschaftlichen Austausch der beteiligten Fachdisziplinen ebenso wie das tägliche multiprofessionelle Arbeiten im Team. Eine erste Herausforderung dabei besteht häufig in der Verständigung über grundlegende Begrifflichkeiten und ein gemeinsames Vokabular. Veranstaltung wie dieses Symposium tragen erheblich zu diesem dringend notwendigen kollegialen und fachlichen Austausch bei.

Erst wenn die Palliativversorgung essentieller und selbstverständlicher Bestandteil einer Krebsbehandlung geworden ist, können wir mit tumorerkrankten Menschen und ihren Angehörigen direkt über ihr Leiden, ihre Belastungen und ihre Ängste sprechen, ohne dass sie auch noch die Sorge tragen müssen, der Einbezug palliativmedizinscher Expertise läute das Terminalstadium ihrer Tumorerkrankung ein.

Den Teilnehmern des Symposium wünsche ich spannende Vorträge und gewinnbringende Diskussionen zur Frage, wie Palliativversorgung frühzeitig und sinnvoll in eine ganzheitliche Krebsbehandlung integriert werden kann.

Prof. Dr. med. Lukas Radbruch

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Prof. Josef Hecken, G-BA

Trotz mancher methodischer Limitationen ist es in der Regel recht gut möglich, auf der Basis von validen Endpunktvergleichen den abstrakt-generellen Mehrwert von neuen medikamentösen Therapien oder neuen Methoden zur Behandlung fortgeschrittener onkologischer Erkrankungen gegenüber bisherigen Therapieoptionen zu beurteilen. Aber diese eher "technische" abstrakt-generelle Betrachtung ist zwar wichtig, um echte Innovationen von Scheininnovationen abzugrenzen, hilft aber bei anstehenden ärztlichen Therapieentscheidungen im Einzelfall nur bedingt weiter.

Denn Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen ist mit solchen abstrakt-generellen Feststellungen in der Regel nicht geholfen, sie erwarten zu Recht eine Behandlung, die sich nicht an schablonenhaften Abläufen und Bewertungen, sondern an ihrer konkret-individuellen Lebenssituation orientiert und neben ihrem umfassend verstandenen Gesundheitszustand auch ihren Willen, ihre Präferenzen und die jeweiligen Lebensverhältnisse in sozialer Hinsicht berücksichtig. Durch eine solche umfassende Betrachtung verschiedenster, nicht nur medizinischer Endpunkte und ihrer Bewertung im Kontext miteinander wird sichergestellt, dass gerade auch bei hochkomplexen Interventionen in fortgeschrittenem Krankheitsstadium eine das Gesamtpatientenwohl beachtende und respektierende Entscheidungsfindung ermöglicht wird. Zu Recht wird hier der Lebensqualität, die in heutigen Studien oft nur unzureichend abgebildet wird, ein hoher Stellenwert beigemessen, denn für den Patienten bemisst sich der Wert einer Intervention regelhaft nicht allein auf der Basis der Fragestellung, ob seine statistische Überlebenswahrscheinlichkeit um 30 oder 60 Tage verlängert wird, sondern für ihn steht mindestens gleichgewichtig die Frage im Raum, mit welchen Begleitumständen diese Lebensverlängerung verbunden ist. Das kann nur gelingen, wenn im Sinne einer "Integrated Palliative Cancer Care" nicht nur ein kontinuierlicher wissenschaftlicher Austausch der verschiedenen beteiligten Fachdisziplinen erfolgt, sondern in der konkreten Behandlung alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Betreuung und Behandlung integraler Bestandteil möglicher Handlungsoptionen sind.

Denn durch eine solche Interdisziplinarität kann sachgerecht eine im Einzelfall am Wohle des Patienten orientierte Therapieentscheidung getroffen werden.

Prof. Josef Hecken

Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses

Prof. Jennifer Temel, MD, Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School

I am thrilled to see the German Society of Hematology and Medical Oncology and the German Society of Palliative Medicine together embracing integrated palliative cancer care for patients with advanced cancer. We now have ample data demonstrating that patients with advanced cancer who receive early integrated palliative and oncology care and their caregivers have better Outcomes than patients receiving oncology care alone. We now must translate this data into effective care models that we can disseminate throughout our health care Systems and care Settings. Meetings such as the "Berliner Symposium for Integrated Palliative Cancer Care" are a key first step toward implementing successful integrated palliative care models throughout Germany.

Prof. Jennifer Temel, MD

Director Cancer Outcomes Research Program, Massachusetts General Hospital

Associate Professor, Medicine, Harvard Medical School

Boston, MA, USA