Grußworte

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PD Dr. med. Jan Eucker, Komm. Ärztlicher Leiter, Medizinische Klinik m. S. Hämatologie und Onkologie, Charité CBF

Die intensive und im Krankheitsverlauf wiederholt notwendige Auseinandersetzung mit der Prognose einer potentiell lebensbegrenzenden Tumorerkrankung stellt einen zentralen Bestandteil und eine  besondere Herausforderung der onkologischen Tätigkeit dar. Ein umfassendes Krankheits- und Prognoseverständnis von Patienten und deren Angehörigen sind dabei entscheidend für eine partizipatorische Entscheidungsfindung, die v.a. die individuellen Therapie- und Lebensziele unserer Patienten berücksichtigt.

Ergänzende palliative Konzepte können zusätzlichen Raum schaffen für diese notwendigen und intensiven Auseinandersetzungen, die oft von Ambivalenz und dem Ringen zwischen Hoffnung und Realisierung der Endlichkeit des Lebens geprägt sind. Frühzeitig einbezogene palliative Versorgungskonzepte helfen der Vielfalt und Komplexität der Patientenbedürfnisse über eine - gerade mit neuen Therapieoptionen - häufig zunehmende Dauer der Behandlung gerecht zu werden. Patienten und Angehörige profitieren von der Unterstützung und Entlastung durch ein frühzeitig einbezogenes kompetentes multiprofessionelles Behandlungsteam. 

Man könnte Palliativmedizin auch als Antithese zu einem politisch induzierten Rückzug aus dem humanen Ansatz der Medizin formulieren: Palliativmedizinische Konzepte geben einen organisatorischen und institutionellen Rahmen für ganzheitliche medizinische Ansätze, die aufgrund der zunehmenden Ökonomisierung und Zeitverknappung im Umgang mit unseren Patienten in anderen Disziplinen drohen verloren zu gehen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    

Die Palliativversorgung ist somit einen integralen Bestandteil einer ganzheitlichen und modernen onkologischen Versorgung und hat ihren festen Platz in der Hämatologie und Onkologie. Ein täglicher, intensiver Austausch fördert die systematische Implementierung palliativer Prinzipien in der Betreuung von Krebspatienten und stellt eine Bereicherung für alle Beteiligten des multiprofessionellen onkologischen Behandlungsteams dar. Strukturelle, kulturelle und persönliche Barrieren, die weiterhin ein Nebeneinander von palliativen und onkologischen Versorgungskonzepten verhindern, müssen abgebaut werden.

Dazu soll das Berliner Symposium Integrated Palliative Cancer Care beitragen und im Namen der Medizinischen Klinik m. S. Hämatologie und Onkologie am Campus Benjamin Franklin der Charité -  freue ich mich auf interessante Diskussionen mit Ihnen.

 

PD Dr. med Jan Eucker

Komm. Ärztliche Leitung

Medizinische Klinik m. S. Hämatologie und Onkologie

Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

 

 

 

Prof. Dr. med. Ulrich Keilholz, Direktor Charité Comprehensive Cancer Center

Palliativ - was ist das?


Wenn wir die Betreuung eines Krebspatienten übernehmen ist unsere Aufgabe sehr umfassend. Der erste Ansatz war die Entwicklung operativer Techniken zur Entfernung von Tumoren. War dies nicht kurativ möglich galten Patienten in der Sprache der Chirurgen als 'palliativ', also nicht heilbar. 

Die Entwicklung der Strahlentherapie war nicht kurativ intendiert, sondern hatte immer schon die 'Palliation' metastasenbedingter Beschwerden im Fokus, mit technikdominierten Ansätzen. Medikamentöse Therapie zielte in erster Linie auf eine Verlängerung der Überlebenszeit ab. Gab es keine sinnvolle Möglichkeit einer Chemotherapie mehr, sprachen auch die Internistischen Onkologen von 'palliativer Weiterversorgung' und meinten damit eine symptomenzentrierte Betreuung am Lebensende, synonym mit 'best supportive care'. 

Heute ist diese Fragmentierung weitgehend überwunden. Einerseits wird für jeden Krebspatienten ein interdisziplinäres Behandlungskonzept entwickelt, andererseits ist die palliative Betreuung zunehmend im Fokus. Aber hier fehlt noch vieles, um Patienten wirklich umfassend und adäquat zu versorgen. Es fehlen standardisierte Mechanismen zur systematischen frühen Integration der palliativen Betreuung in die Behandlungskonzepte und es fehlt den Palliativteams an klaren, mit allen Beteiligten (inkl. Kostenträgern) konsentierten Tätigkeitsfeldern.


Ich finde das Programm des diesjährigen Symposiums ideal, um zu einer Standortbestimmung zu kommen und Handlungsfelder zu definieren. Ich danke allen Beteiligten, die diese Thematik umfassend aufnehmen und durch Integration palliativmedizinischer Aspekte die Betreuung unserer Krebspatienten weiter verbessern.

Prof. Dr. med. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Grußwort zum

Berliner Symposium Integrated Palliative Cancer Care
black or white or shades of grey

„Wir müssen reden!“

Schaut man durch ein Kaleidoskop auf das Leben eines Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung, so ist das Grundmuster nicht schwarz oder weiß und es spielen auch nicht nur Nuancen von Grau eine Rolle, nein, verschieden intensive Farben und Schattierungen spiegeln die variierenden Befindlichkeiten zwischen Hoffnung und Enttäuschung, Belastung und Entlastung, Schwäche und Stärke, Abschied und Lebensfreude, dem Besonderen und dem Alltag und vielem mehr. Eine winzige Bewegung der bunten Glassteinchen genügt und schon ergibt sich ein anderes Bild.

Tumorerkrankte Patientinnen und Patienten wie auch ihre Angehörigen bei dem Wechselspiel der Gemütszustände, Überlegungen und vor allem Perspektiven adäquat und gut zu begleiten, mit ihnen offen über Optionen und Begrenzungen der Behandlung zu sprechen, ohne ihnen die Hoffnung zu nehmen, zu erkennen, an welchem Punkt das Gegenüber in diesem Moment steht, darin besteht die Kunst einer klaren, einfühlsamen und hilfreichen Kommunikation insbesondere mit an Krebs erkrankten Menschen.

Es ist richtig und wichtig, dass das Symposium genau diese Fragen aufgreift: Wie spreche ich mit onkologischen Patienten über die verschiedenen Therapieoptionen und möglichen Verläufe? Was brauchen sie und ihre Familien an Informationen für anstehende Entscheidungen? Wer aus dem Behandlungsteam übernimmt welchen Teil der Kommunikation?

Deshalb freuen wir uns nun schon zum zweiten Mal, für das Berliner Symposium „Integrated Palliative Cancer Care“ gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie die Schirmherrschaft übernehmen zu dürfen. Wir halten es nach wie vor für eine dringliche Aufgabe, als multiprofessionellen Fachgesellschaft an vielen Stellen dafür Sorge zu tragen, dass palliative Behandlungs- und Versorgungskonzepte frühestmöglich in die onkologische und hämatologische Diagnostik und Therapie integriert werden. Freuen Sie sich auf entsprechende Impulse zur Ausgestaltung von Palliativversorgung parallel zur onkologischen Behandlung!

Den Teilnehmenden des Symposiums wünsche ich einen vielseitigen Austausch zu den Herausforderungen insbesondere in der Kommunikation. Denn eine frühzeitige Integration von Palliative Care und moderner Krebsbehandlung kann nur gelingen, wenn sich auch die Kolleginnen und Kollegen aus kurativen wie palliativen Behandlungsfeldern vornehmen:
„Wir müssen reden!“

Prof. Dr. med. Lukas Radbruch
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin 

Dr. med. Irmgard Landgraf, Vorstandsmitglied des Hausärzteverband Berlin und Brandenburg e.V. (BDA

Für krebskranke Patienten ändert sich mit der Diagnosestellung ihr aktuelles Leben einschneidend. Nichts ist mehr so wie es war, sie werden mit der Endlichkeit ihres Lebens konfrontiert, haben Angst vor der Erkrankung, vor dem damit verbundenen Leiden, vor belastenden Behandlungen und davor, sterben zu müssen.

Sie wissen zunächst nicht, wie es für sie weitergehen soll. Sie müssen sich mit möglichen Therapie-Optionen auseinandersetzen, sich für eine der ihnen empfohlenen Behandlungen entscheiden, mit ihren Angehörigen über ihre schwere Erkrankung über ihre schwere Erkrankung  sprechen, viele verschiedene private und berufliche Dinge regeln. In dieser Situation brauchen Menschen neben professioneller auch emotionale Unterstützung, am besten von jemandem, dem sie vertrauen, der sie, ihre Familie und ihr Leben kennt aber auch über die Erkrankung und ihre Prognose Bescheid weiß. Vor allem wir Hausärzte sind in solchen Situationen gefordert, können dem Patienten und seiner Familie beratend zur Seite stehen, Behandlungen und Behandlungsverläufe erklären und ertragen helfen und damit ganz entscheidend den Behandlungserfolg unterstützen.

Als wichtiges Bindeglied zwischen hochspezialisierten Fachärzten und dem Patienten sind wir aber nicht nur hilfreich bei der Krankheitsbewältigung, sondern auch zuständig für alle notwendigen Begleittherapien sowie für meist auch erforderliche psychoonkologische und palliativmedizinische Maßnahmen.  Am besten gelingt dass in guter Kooperation mit den behandelnden Onkologen.

Dr. med. Irmgard Landgraf

Fachärztin für Innere Medizin

Vorstandsmitglied des Hausärzteverband Berlin und Brandenburg e.V. (BDA

Sabine Dittmar, Mitglied des Deutschen Bundestages

 

Die Konfrontation mit einer Krebsdiagnose ist eine einschneidende und belastende Situation. Die Betroffenen stehen von heute auf morgen vor einem Berg an Fragen, Sorgen und Ungewissheiten. In dieser Situation brauchen sie Unterstützung, nicht nur von ihren Familien und Freunden, sondern auch von qualifizierten Fachkräften.

Dabei geht es nicht alleine um die somatische Therapie, sondern um eine ganzheitliche, individuelle Begleitung, die den Betroffenen hilft, sich in ihrer neuen Lebenssituation zurechtzufinden. In diesem Kontext ist eine koordinierte und einfühlsame Zusammenarbeit aller relevanten Berufsgruppen von zentraler Bedeutung.

Wie diese Kooperation gelingen kann, ist eine der zentralen Fragen, die im Mittelpunkt des am 17. Oktober stattfindenden „BERLINER SYMPOSIUM Integrated Palliative Cancer Care“ stehen.

Allen Teilnehmenden wünsche ich ein spannendes, abwechslungsreiches Symposium mit guten Gesprächen, interessanten Diskussionen und neuen Perspektiven.

 

 

 

Dr. rer. nat Ute Goerling, Leitung Psychoonkologie, Charité Comprehensive Cancer Center

Bereits zum 2. Mal findet das BERLINER SYMPOSIUM Integrated Palliative Cancer Care statt.

Ein Ziel frühzeitiger Integration palliativer Versorgung parallel zur onkologischen Behandlung liegt in der Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Woran erkennen wir jedoch, ab wann palliative care integriert ist?
Woran erkennen wir, ob angestrebte Modelle effektiv sind?
Und vielleicht das Wichtigste: Woran erkennen wir, ob Multiprofessionalität gelingt?

Ein engagierter Einzelner wird unter den gegebenen Bedingungen wenig bewirken können. Patienten und deren Angehörige benötigen ein breites Spektrum an Versorgungsangeboten, zusätzlich zur onkologischen Therapie. Gefragt ist hier ein Team aus Ärzten, Pflegenden, Psychologen, Sozialpädagogen, Physiotherapeuten sowie weiteren Berufsgruppen, welche supportive Angebote zur Verfügung stellen.
Und schlussendlich, wie kann dieses multiprofessionelle Team eine fragmentierte Versorgung überwinden?

Freuen Sie sich auf interessante Vorträge und Diskussionen. Und vor allem: Bleiben Sie im Gespräch.

Dr. rer. nat. Ute Goerling

Leiterin der Psychoonkologie

Charité Comprehensive Cancer Center

Cindy Stoklossa, Leitung des Sozialdienst Charité Berlin

Eine Erkrankung zusammen mit einem Krankenhausaufenthalt ist häufig eine belastende und krisenhafte Situation für die Betroffenen selbst, sowie für deren Angehörige. Die Behandlung muss über den rein somatischen Kontext hinausgehen.

Den häufig schwerkranken Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen, zu behandeln und zu begleiten setzt ein multiprofessionelles Konzept voraus. Die besondere Belastungssituation von Angehörigen zu erkennen und Entlastung mit Gesprächen, konkrete Informationen sowie Unterstützungsangebote anzubieten, ist ein weiterer Baustein dieses Konzepts. Soziale Arbeit ist dabei integraler Bestandteil, denn soziale Aspekte spielen immer eine Rolle, mit Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Betroffenen und deren Angehörigen.

Ich wünsche den Teilnehmer*innen des Symposiums interessante Eindrücke, Informationen und die Möglichkeit eines multiprofessionellen Austausch.

Cindy Stoklossa

Leitung des Sozialdienstes der Charité

Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen

Janett Markwordt, Pflegerischen Centrumsleitung, Charité – Universitätsmedizin

Die Welt existiert in Millionen von Schattierungen und Farbtönen. Der Himmel ist normalerweise eine Mischung aus Farbe und Schatten, selbst an perfekten Tagen.

Wenn wir lernen, die Welt in Schattierungen zu sehen, eröffnen sich neue Möglichkeiten und wir können Probleme lösen, bei denen oft das Erkennen von shades of grey nötig ist, um gemeinsame Interessen zu erreichen.

Patient*innen mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung und ihre Angehörigen haben häufig vielfältige Symptome und Probleme, die nicht von einer einzelnen Fachperson, gleich welcher Profession, gelindert oder im besten Fall gelöst werden können. In einem Palliativteam gibt es daher keine allein bestimmende Profession, es gibt viele shades of grey.

Damit die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachpersonen zustande kommt, braucht es das Wissen darüber, was die anderen Berufsgruppen dazu beitragen können, um die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen in einer palliativen Situation zu verbessern. Wir brauchen die „Nuancen von Grautönen“ mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und den vielen Möglichkeiten, die sich in der Zusammenarbeit bieten.

Ich wünsche den Teilnehmenden des 2. Berliner Symposiums „Integrated Palliative Cancer Care“ einen regen gemeinsamen Austausch zu den Herausforderungen in der interprofessionellen und interdisziplinären Zusammenarbeit.

Janett Markwordt                           
Pflegerischen Centrumsleitung               
Charité – Universitätsmedizin              
Centrum für Tumormedizin